Vom Autobahndreieck zum Platz zum Wohnen

Autogerechte Stadt

In den 60ern geplantes AutobahndreieckIn den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts war die autogerechte Stadt noch unwidersprochen das Ziel vieler Stadtplaner. Die Fläche an der Saarlandstraße, an der heute die erste autofreie Wohnanlage Deutschlands steht, war damals für ein Autobahnkreuz einer Stadtautobahn vorgesehen. (s. Abbildung)

Das Autobahnkreuz Stadtpark. Abbildung aus dem
Hamburger Abendblatt vom 19. Oktober 1965.

Neandertal / Verein autofreies Wohnen

Iniitiert von einigen Hamburger Umweltschutzverbänden und -aktiven wurde Anfang der neunziger Jahre der „Arbeitskreis Neandertal“ gegründet. Ziel war der Aufbau von autofreien Wohngebieten. Als in Bremen-Hollerland ein erster konkreter Schritt versucht wurde, war dies ein kräftiger Schub auch für die Hamburger Initiative, denn vor allem die rechtlichen Fragen wurden in einem Gutachten geklärt. Auch nachdem das Bremer Projekt nicht realisiert werden konnte, war das kein großer Stolperstein mehr. Der Verein „Autofreies Wohnen“ wurde gegründet, der Name „Neandertal“ war für die Idee der modernen menschen- und umweltfreundlichen Mobilität zu sehr rückwärts gewandt.

Wohnen der Zukunft

„Diese moderne Form einer Wohnsiedlung ermöglicht neben dem sehr kostengünstigen Bauen vor allem große ökologische Vorteile und einen erheblichen Gewinn an Wohnruhe sowie Grün- und Freiraumqualitäten im direkten Wohnumfeld“
Der Vositzende des Vereins Autofreies Wohnen Karsten Wagner in der Pressemitteilung zur Gründung der Genossenschaft am 29. August 1996.

Mobilität

„Wer geht, sieht im Durchschnitt anthropologisch und kosmisch mehr als wer fährt. Überfeine und unfeine Leute mögen ihre Glossen darüber machen nach Belieben; es ist mir ziemlich gleichgültig. Ich halte den Gang für das Ehrenvollste und selbständigste und bin der Meinung, daß alles besser gehen würde, wenn man mehr ginge. Man kann fast überall bloß deswegen nicht recht auf die Beine kommen und auf den Beinen bleiben, weil man zuviel fährt. Wo alles zuviel fährt, geht alles sehr schlecht: Man sehe sich nur um!“

Diese Zeilen schrieb Johann Gottfried Seume am Anfang des 19. Jahrhunderts. Sie sind unverändet eine vortreffliche Beschreibung unserer Situation 200 Jahre später. Die Mobilitätsziele der Menschen haben sich nicht geändert: wir wollen von unserer Wohnung aus zur Arbeit, zum Einkaufen, zum Besuch bei Freunden, zur Freizeitgestaltung. Der Zeitaufwand ist kaum geringer geworden, denn für die Fahrt mit dem Auto zum Einkaufszentrum auf der ehemals grünen Wiese draußen vor der Stadt benötigen wir ebensoviele Minuten wie für den Gang zum Einzelhändler um die Ecke. Der Energieverbrauch, die Schadstoffbelastung der Umwelt, die Gefährdung von Leib und Seele ist mit der Benutzung eines Autos jedoch extrem viel höher als beim Erreichen unserer Ziele zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit dem öffentlichen Nahverkehr. „Wo alles zuviel fährt, geht alles sehr schlecht: Man sehe sich nur um!“
Aus der Pressemappe zur Gründung der Genossenschaft 29. August 1996